X

30. Juni 2013

Hanjo

Oper in einem Akt (sechs Szenen) von Toshio Hosokawa

Eine junge Frau, in der Hand einen Fächer, wartet am Bahnhof – wie schon gestern, wie vorgestern, wie jeden Tag, seit Jahren.

Es ist Hanako, eine Geisha. Sie hat sich vor einigen Jahren unsterblich in Yoshio verliebt und er sich auch in sie. Als sie ...

Eine junge Frau, in der Hand einen Fächer, wartet am Bahnhof – wie schon gestern, wie vorgestern, wie jeden Tag, seit Jahren.

Es ist Hanako, eine Geisha. Sie hat sich vor einigen Jahren unsterblich in Yoshio verliebt und er sich auch in sie. Als sie sich trennen müssen, tauschen sie ihre Fächer – als Versprechen ihres Wiedersehens. Aber Yoshio ist seitdem verschollen und so sitzt Hanako dort und wartet geduldig auf die Rückkehr des Geliebten. Ihr Warten hat sie zunehmend der Welt entrückt, und sie gilt der Welt als verrückt.

Jitsuko, eine unverheiratete, verbitterte Frau, die niemals Liebe erfahren hat, kauft Hanako, verbirgt sie in ihrem Haus und hütet sie als Trägerin all ihrer eigenen unerfüllten Liebessehnsüchte. Inzwischen erscheint in der Zeitung ein Artikel über die verrückte Hanako und Yoshio taucht daraufhin bei den beiden Frauen auf, um sich endlich mit Hanako zu verbinden. Zwischen ihm und Jitsuko entbrennt ein Machtkampf um Hanako, den diese auf überraschende Weise beendet.

Hanjo ist ein Stück des ›absichtslosen Wartens‹ und ein Labyrinth unausgesprochener Träume, Wünsche und Projektionen, in dem sich die Protagonisten verirren. Die hoch intensiven, durchsichtigen und spiegelnden Klänge der Musik Hosokawas bilden den Raum für das fatale Geflecht dieser Figuren.

Der Komponist schreibt über seine Kammeroper, die, basierend auf einem Nô-Spiel von Yukio Mishima, im Auftrag des Festival d'Aix en Provence entsteht und dort im Sommer 2004 uraufgeführt wird: »Das Nô-Drama ist etwas Jenseitiges, wie ein Traum, und ich schrieb Hanjo selbst wie in einem Traum. Es ist ein Drama, das sich vor und zurück über die Grenzen von Traum und Realität – von Wahnsinn und Klarheit – bewegt.«



    In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
    1:20 h | keine Pause
    VORWORT
    Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn
    Eine Zusammenarbeit mit der Ruhrtriennale und der Staatsoper Unter den Linden
    Ein Auftragswerk des Festival d’Aix-en-Provence
    • Inhalt

      Eine junge Frau, in der Hand einen Fächer, wartet am Bahnhof – wie schon gestern, wie vorgestern, wie jeden Tag, seit Jahren.

      Es ist Hanako, eine Geisha. Sie hat sich vor einigen Jahren unsterblich in Yoshio verliebt und er sich auch in sie. Als sie sich trennen müssen, tauschen sie ihre Fächer – als Versprechen ihres Wiedersehens. Aber Yoshio ist seitdem verschollen und so sitzt Hanako dort und wartet geduldig auf die Rückkehr des Geliebten. Ihr Warten hat sie zunehmend der Welt entrückt, und sie gilt der Welt als verrückt.

      Jitsuko, eine unverheiratete, verbitterte Frau, die niemals Liebe erfahren hat, kauft Hanako, verbirgt sie in ihrem Haus und hütet sie als Trägerin all ihrer eigenen unerfüllten Liebessehnsüchte. Inzwischen erscheint in der Zeitung ein Artikel über die verrückte Hanako und Yoshio taucht daraufhin bei den beiden Frauen auf, um sich endlich mit Hanako zu verbinden. Zwischen ihm und Jitsuko entbrennt ein Machtkampf um Hanako, den diese auf überraschende Weise beendet.

    • Pressestimmen

      Pressestimmen zur Aufführung bei der Ruhrtriennale 2011:

      »Calixto Bieito choreographiert die Leidensgeschichte mit einer fast unheimlichen Langsamkeit und Spannung. Er zeigt ganz und gar stimmig, wie sich die kaputten Figuren in einem dramatischen Prozess aus ihrem qualvollen Leben herauswinden. Am Ende glaubt man ihnen das Glück.«
      (Deutschlandfunk, 30. September 2011)

      »Wie ein gebauschtes Schleiertuch im Wind wechselt das klein besetzte Orchester seine Farben. Musik wie eine Welle, die anschwillt und verebbt.«
      (Süddeutsche Zeitung, 5. Oktober 2011)

      »Regisseur Calixto Bieito inszeniert die seltsame Konstellation seiner drei Protagonisten als Kammerspiel unter Hochspannung.«
      (dpa, 30. September 2011)

      »Die schonungslose Direktheit der Bilder und Bewegungen, in denen der Regisseur die selbst verzehrenden Seelenzustände des unerfüllten Begehrens aufdeckt, faszinieren durch Raum-, Zeitlosigkeit und eine subtile Personenregie, die von körperlicher Bühnenpräsenz und Reduktion auf das Wesentliche lebt … In der illustrierenden, assoziationsreichen Musiksprache Hosokawas scheinen sich europäische und japanische Musiktraditionen zu einer zarten, das Leise und die Stille bevorzugenden, poetischen Klangwelt zu verbinden.«
      (Online Musik Magazin, 30. September 2011)